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Viel Vergnügen beim Lesen

Schönen Gruss
Louise Mathieu

Hintergrund 2

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Die Hexe fliegt zum Brocken

Eine alte Tradition in den skandinavischen Ländern ist das Mittsommerfest, das vielen schon in irgendeiner Form bekannt ist.

Das dänische Mittsommerfest, auf Dänisch Sankt Hans, ist für mich – selbst nach vielen Jahren in Deutschland – immer noch in Erinnerung als schöne und gemütliche Abende unter Freunden und Familie. Der Name Sankt Hans kommt von Johannes der Täufer, der am 24. Juni seinen Namenstag hat. Das Fest hat aber nichts mit dem Heiligen zu tun, wir feiern immer noch eine uralte heidnische Tradition, in der man an Hexen glaubte und in der Kräuter besondere Kräfte die Tage um die Mittsommertage haben sollten.

Hexe

Und eigentlich sind wir Dänen sogar etwas ”voreilig”, wie zu Weihnachten feiern wir einen besonderen Tag gern am Vorabend; so auch unser Sankt-Hans-Fest, das wir dann am 23. Juni feiern.

In meiner Kindheit wurden vor Sankt Hans fleißig Gartenabfälle gesammelt, das Feuer sollte ja sehr groß werden. Eine Strohhexe wurde auch gebastelt, denn wir mussten ja die alte Tradition aufrechterhalten. Als die Dämmerung einbrach, wurde das Feuer angezündet, und wir standen fröhlich im Kreis um das Feuer und haben Lieder gesungen.

Wenn das Feuer so richtig loderte, fing die Hexe oben auf dem Haufen auch Feuer und man hat bald ihr ”markerschütterndes” Schrei (durch einen in der Strohpuppe eingepackten Luftheuler) gehört, bevor die Strohhexe ganz in Flammen aufging. Eigentlich recht brutal, wenn man bedenkt, dass Hexenverbrennung früher Gang und Gäbe war.
Unsere ”moderne” Hexenverbrennung hat jedoch nichts gemeinsam mit der grausamen Zeit der allgemeinen Hexenverbrennung von früher, nur hat man in der alten Zeit geglaubt, die Hexen würden eben am Vorabend des Mittsommers allesamt nach Bloksbjerg (dem Brocken in Harzen) fliegen und gleichzeitig die Ernte verderben. Um dieses Unheil vorzubeugen und das Böse zu vertreiben hat man dann eben ein Feuer gezündet.

Die Dänen lieben diese besondere Tradition und man sieht daher abends am 23. Juni große Feuer in fast jeder Stadt. Machen Sie daher nächstes Mal halt und nehmen Sie an diese Schau teil. Etwas typischeres Dänisch gibt es fast nicht.

Fotonachweis: https://da.wikipedia.org/wiki/Sankthans#/

 

Diese Brötchen gibt es nur 1 mal im Jahr – hvedeknopper…

Nicht nur die Traditionen in den Ländern Europas unterscheiden sich, sondern auch das Essen. Auf einer kurzen Geschäftsreise entdeckt man die Traditionen eines Landes womöglich nicht, sondern erst dann wenn man sich mehr Zeit nimmt. Einige dieser Traditionen entstanden aus einer Notwendigkeit heraus und wären heutzutage eigentlich überflüssig. Man hielt aber an ihnen fest, weil sie so lecker sind. Eine davon sind die leckeren „hvedeknopper“, eine Art Weizenbrötchen.

Hvedeknopper

Hvedeknopper sind luftige Brötchen mit einer dezenten Kardamom-Note. Das Brot wird am Tag vor dem großen (und einzigen) Buß- und Bettag (am 12. Mai) in Dänemark gegessen, wobei dieser Tag heute für die Meisten keine religiöse Rolle mehr hat. Die Tradition mit dem Brot stammt aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Am Buß- und Bettag durfte man früher nicht arbeiten, der Tag galt einzig und allein dem Beten und Buße tun. Am Vorabend läuteten die Glocken, das war das Signal dafür, alle Geschäfte und Spiele ruhen zu lassen. Die Leute sollten sich auf den nächsten Tag mit vielen kirchlichen Zeremonien vorbereiten. Auch die Kneipen mussten schließen, damit die Leute den Buß- und Bettag nüchtern begehen konnten. Betrunken zum Gottesdienst zu gehen war wohl keine Seltenheit.

Da die Bäcker ja am Buß- und Bettag nicht backen durften, haben sie am Tag vorher zusätzliches Brot gebacken. Die Idee war, dass die Leute am Ende des Tages das Brot wieder aufwärmen und essen konnten. Da das Brot aber sehr lecker war (und auch heute noch ist) und die Leute es nicht abwarten konnten, wurde das Brot oft frisch gegessen. Und das machen wir heute noch, abends am 11. Mai. Dieses besondere Brot wird nur einmal im Jahr in großen Mengen gebacken. Man bekommt es nur die Tage vor dem 12. Mai. Es gibt nichts Besseres als frischgebackene, lauwarme hvedeknopper …

Und hier kommt das Rezept:

50 g Würfelhefe

400 ml Milch (3,5%)

2 verquirlte Eier

½ Teelöffel Salz

1 Teelöffel Kardamom

1 Esslöffel Zucker

1 Kg Weizenmehl

 

Trockene Zutaten mischen, Hefe mit lauwarmer Milch mischen, Eier verquirlen, 2 Esslöffel davon beiseitestellen und den Rest mit Milch, Eiern und den trockenen Zutaten vermengen. Den Teig 30 Minuten gehen lassen. Danach den Teig gut durchkneten und 16 Brötchen formen. Auf einem Backblech platzieren, etwa ½ cm Platz zwischen den Brötchen lassen – sie müssen beim Backen „zusammenwachsen“. Nochmals 20 Minuten gehen lassen. Das restliche Ei mit etwas Wasser vermengen und die Brötchen damit bepinseln.

18-20 Minuten bei 200 Grad backen. Sie schmecken köstlich lauwarm mit Butter und Marmelade.

Man kann sie frisch gebacken essen oder 1x teilen und weitere 4-5 Minuten im Ofen lassen, damit sie etwas trockener werden – so wie man es früher gemacht hat.

Guten Appetit.

(Bildnachweis: https://www.b.dk/mad/hvedeknopper)

Gækkebrev

Trotz der geografischen Nähe gibt es doch große Unterschiede bei den kulturellen Besonderheiten und Traditionen in Deutschland und Dänemark. Eine alte Tradition in Dänemark sind die sogenannten gækkebreve zu Ostern.

Gækkebrev setzt sich zusammen aus gække („necken“ oder „scherzen“) und brev („Brief“) und ist eine alte Tradition, die in Deutschland früher mal als Bindebrief bekannt war, wo der Gebundene sich mit z. B. Geld loskaufen musste. Wobei es hier nicht mit Binden von Leuten zu tun hat, wie es früher der Fall war, sondern damit, dass in Dänemark die Kinder Spaß mit den (oft älteren) Familienmitgliedern treiben. Sobald das erste Schneeglöckchen wagemutig aus dem Schnee herausschaut, wird es von eifrigen Kinderhänden gepflückt und in den oben genannten gækkebrev gesteckt.

gækkebrev

Gækkebrev mit einem Schneeglöckchen

Das gække im Wort gækkebrev kommt von dem dänischen Wort für Schneeglöckchen. Anders als in vielen anderen Ländern, die etwas mit Winter oder Schnee im Wort dieser Blume haben, ist es in Dänemark anders. Das Schneeglöckchen, vintergæk genannt, wird als Vorbote des bald herannähenden Frühlings angesehen. Oft steckt das Blümchen seinen Kopf aus dem Schnee, aber der Winter ist noch längst nicht vorbei, wodurch uns die Blume „neckt“.

Eine weitere Besonderheit des Briefes: der Absender ist hinter Pünktchen versteckt. Der Clou bei der ganzen Sache ist, dass der Empfänger den Absender erraten muss. Gelingt dies nicht vor Ostern, muss der Absender sich zu erkennen geben und bekommt als Belohnung dann ein schönes Osterei aus Schokolade geschenkt. Und natürlich möchten die Kinder viele Schokoladeneier zu Ostern haben, weshalb die Kinder ab etwa Februar oft zu sehr fleißigen Bastlern werden. Diese Briefe sind auch immer sehr schön gestaltet und verdienen eine Belohnung.

 

osterei.jpg

Ein typisch dänisches Ei für Ostern: Ei aus Pappe mit Schokolade gefüllt

Als die dänische Flagge vom Himmel fiel

Die dänische Flagge Dannebrog ist eines Tages vom Himmel gefallen – so jedenfalls die Legende.

Wenn man nach Dänemark kommt, fällt sofort auf, dass die Dänen ihre Flagge lieben. Man sieht sie einfach überall: in Gärten, in Schaufenstern zum Schlussverkauf, auf Bussen, wenn Mitglieder der königlichen Familie Geburtstag haben oder ein Staatsgast das Land besucht, in der Einfahrt und auf dem Tisch bei privaten Geburtstagfeiern, ja sogar der Weihnachtsbaum wird mit kleinen rot-weißen Flaggen geschmückt. Dies ist eine uralte Tradition. Wir lieben unsere Flagge einfach.

dannebrog

Aber um auf die Legende zurückzukommen: Die Flagge soll 1219 vom Himmel gefallen sein – oder 1208, da sind sich die alten Berichterstatter wohl nicht ganz einig – und zwar bei der Schlacht von Lyndanisse in Tallinn, Estland. Im Jahr 1219, oder 1208, je nachdem, welcher Quelle man Glauben schenkt, soll Dänemark als Sieger dieser Schlacht, wenn auch nur kurz, die Herrschaft über diesen Teil an sich gerissen haben. Gegenüber standen sich damals christliche Dänen und heidnische Esten. Die Dänen baten, als der Kampf fast verloren schien, um die Hilfe Gottes, was ihnen soweit gewährt wurde, dass die Flagge vom Himmel fiel. Eine Stimme soll dabei gesagt haben, dass die Dänen den Gegner besiegen würden, wenn sie die Flagge nach oben heben würden. Was dann folglich auch geschah. Allerdings wurde diese Geschichte erst mehr als 300 Jahre später niedergeschrieben und ist als kein hieb- und stichfester historischer Beleg. Fakt ist nur, dass die Flagge wohl erstmals in dieser Schlacht verwendet wurde.

Das dänische Wort Dannebrog bedeutet eigentlich nichts anderes als „Flagge der Dänen“: Brog ist ein Stück Stoff, das u. a. für Flaggen verwendet wurde, Danne bedeutet dänisch. Egal, wie die obige Geschichte auch ausgegangen sein mag, unsere Flagge wird heute mit größtem Respekt behandelt. Sie darf nur ab 8 Uhr morgens bis Sonnenuntergang gehisst sein, und Dannebrog soll auch eine der ältesten Landesflaggen der Welt sein. Und ein wichtiger Punkt noch: die Flagge darf niemals den Boden berühren, da Dänemark dann laut der Legende wieder in den Krieg ziehen muss.

(Bildnachweis: https://da.m.wikipedia.org/wiki/Dannebrog)

Fasching oder „Fastelavn“, wie die Dänen es nennen

Diese Tage geht in ganz Deutschland die fünfte Jahreszeit allmählich zu Ende. Man sieht überall Kinder und Erwachsene mit bunten, gruseligen, schönen und lustigen Verkleidungen auf den Straßen. Als ich nach Deutschland kam, hatte es mich sehr überrascht, dass auch Erwachsene Fasching feiern und sich verkleiden. Es liegt sicher an meinem kulturellen Hintergrund, denn in Dänemark sind es die Kinder, die sich verkleiden und feiern.

Obwohl Dänemark und Deutschland sich in mancher Hinsicht sehr ähneln, sind viele Traditionen doch sehr unterschiedlich. Ich erinnere mich immer noch gut an meiner Kindheit mit dem Katzenschlagen („slå katten af tønden“).

katten

Das Katzenschlagen ist der Höhepunkt der Faschingszeit

Eine jahrhundertalte Tradition, die reine Tierquälerei war, und an der nur Erwachsene teilnahmen. Sinn des Katzenschlagens war, das Böse zu vertreiben. Und leider war zu damaliger Zeit die schwarze Katze ja Sinnbild des Teufels. Man steckte daher eine schwarze Katze in einem Holzfass und schlug mit einem Schläger auf das Fass, bis es zerbrach und die ziemlich mitgenommene Katze entweder aus der Stadt verjagt oder auch getötet wurde. Kurz gesagt, ziemlich grausam.

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Heute geht es lustiger zu. Die Kinder schlagen hier auf ein Holzfass mit einem Bild von einer schwarzen Katze. Ziel ist hier auch das Fass zu zerschlagen, jedoch fallen dann Süßigkeiten und nicht eine Katze heraus. Das Kind, das das letzte Holzbrett abschlägt, wird Katzenkönig bzw. Katzenkönigin.

Fasching war früher in Dänemark wie schon erwähnt nur etwas für Erwachsene. Jedoch setzte die Reformation die vielen, alten Traditionen ein Ende. Andere Traditionen jedoch, wie zum Beispiel das Katzenschlagen, haben sich dann mit der Zeit so geändert, dass sie kindgerechter wurden und heute für viel Spaß sorgen.

(Bildnachweis: http://traditionstid.dk/fastelavn/hvorfor-slar-vi-katten-af-tonden/)

Wandel der Sprache

Ich liebe Geschichte, und damit meine ich nicht nur schöne Literatur, sondern unsere Geschichte. Hätte ich den Übersetzerberuf nicht gewählt, wäre ich wohl Archäologin geworden. Aber steckt in unserem Beruf nicht auch Archäologie? Wir forschen viel, kennen Sprachen und Kulturen gut. Das müssen wir auch, um unseren Beruf ausüben zu können.

bibel

Dass Geschichte eines meiner großen Interessen ist, bemerke ich jedes Mal, wenn ich mir eine Sendung über Archäologie ansehe. Neulich habe ich eine Sendung über Ausgrabungen in Syrien angesehen. Die Archäologen suchten nach einer alten verschwundenen Stadt aus der Bibel. Um ihre Thesen beweisen zu können, haben sie alte Texte aus dem Hebräischen (anstelle der Bibelübersetzung) studiert und einen Übersetzungsfehler oder eher eine Ungenauigkeit in der Übersetzung in der Bibel festgestellt. Das Problem war hier wie so oft, dass ein Wort mehrere Bedeutungen haben kann. Dies kennen wir Übersetzer nur allzu gut. Ohne Fachwissen, ohne interkulturelle Kompetenz – ohne Verständnis der Sprache kann man nicht ordentlich übersetzen. Dass unsere Berufe, die Übersetzung und Archäologie, sich in gewisser Hinsicht ähneln, war mir schon seit Langem klar, aber hier wurde es sehr deutlich. Und sind wir einmal ehrlich: sind es nicht Rätsel, die wir Übersetzer so lieben? Jedes neue unbekannte Wort ist meistens ein Rätsel.

Das Problem für die Archäologen war eben ein Wort. Als sie das aber korrekt übertragen hatten, hatten sie mehr Erfolg bei der Suche nach der verschwundenen Stadt. Wie ändert sich eine Sprache doch mit der Zeit! Menschen benutzen Wörter für etwas Anderes als ursprünglich gedacht. Dies sieht man so oft an den Sprichwörtern, die sich von ihrer ursprünglichen Bedeutung immer mehr entfernen. Um nur ein Beispiel zu nennen: „jemandem einen Bärendienst erweisen“. Auf Dänisch haben wir dieses Sprichwort wortwörtlich auch. Die bisherige Bedeutung war wie im Deutschen „jemandem trotz bester Absichten durch falsche und unnütze Hilfe schaden […]“. Aber auf Dänisch hat sich das Sprichwort mit der Zeit von seiner ursprünglichen Bedeutung abgewandt und kann jetzt auch „jemandem einen großen Dienst erweisen“ bedeuten.

Dass Sprachen sich ändern, zeigt nicht nur die Sendung über Archäologie oder das gerade erwähnte Sprichwort. Immer wieder werden neue Bedeutungen akzeptiert, neue Wörter z. B. aus dem Englischen gehen in die Sprache ein, man denke nur an die WhatsApp-Sprache, aber auch immer mehr kleinere grammatikalische Änderungen werden akzeptiert, aber eher in der gesprochenen Sprache.

Dies wurde in Dänemark am Silvesterabend auch verdeutlicht. Es ist eine feste Tradition, dass die Königin eine Ansprache an das Volk hält. Eine tief verwurzelte Tradition, die die meisten Dänen immer noch lieben und die sie sich ansehen. Allerdings hat dieses Mal ein Satz von der Königin für Aufregung gesorgt. Denn er wies einen grammatikalischen Fehler auf. Dabei spricht unsere Königin ein sehr korrektes Dänisch, nur bei bestimmten Formulierungen setzt sie gern ihre persönliche Note. So auch dieses Mal. Ein Wort hatte den falschen Kasus, dabei war es ein Satz, den die Königin so oft verwendet hatte und der bisher nie moniert wurde. Man fragte sich in der vergangenen Woche in den Medien, ob sich die Königin grammatikalische Fehler erlauben dürfe.

Das liegt vielleicht auch an dem Wandel der Sprache. Ich muss immer wieder mit Erstaunen feststellen, dass sich meine Muttersprache auf wirklich einfachste Weise verändert – meist nur in Form von Kleinigkeiten. Daher ist es absolut notwendig, eine Sprache immer weiter zu erlernen. Wie im Fall der Archäologen gilt es, ein Wort akribisch zu untersuchen, um die richtige Bedeutung zu finden und zu übersetzen.

(Zitat aus http://www.redensarten.net/Baerendienst.html, Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bibel).